Hinweis: Dieser Artikel beschreibt allgemein, welche Schadstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln vorkommen können und welche rechtlichen Höchstgehalte dafür gelten. Er gibt den Stand August 2026 wieder, stellt keine Rechtsberatung und keine Heilversprechen dar und ersetzt nicht den Rat eines Arztes. Bei Verdacht auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung wende dich an medizinisches Fachpersonal.
Das Wichtigste in Kürze
| Frage | Kurzfassung |
|---|---|
| Gibt es Grenzwerte? | Ja. Die EU-Kontaminantenverordnung (EU) 2023/915 legt Höchstgehalte für Blei, Cadmium und Quecksilber fest. |
| Welche Schadstoffe sind relevant? | Schwermetalle, Pestizidrückstände, PAK, mikrobiologische Belastung und nicht deklarierte Zusätze. |
| Warum sind Extrakte ein Thema? | Extraktion konzentriert nicht nur den gewünschten Stoff, sondern potenziell auch alles andere im Ausgangsmaterial. |
| Größter Risikofaktor | Ware aus Drittländern ohne nachvollziehbare Lieferkette und ohne chargenbezogene Analytik. |
| Was kannst du prüfen? | Ein CoA zur konkreten Chargennummer, erstellt von einem unabhängigen Labor, mit Datum. |
Inhaltsverzeichnis
- Die fünf relevanten Schadstoffgruppen
- Die geltenden EU-Höchstgehalte
- Was ein Grenzwert in mg/kg praktisch bedeutet
- Warum ausgerechnet Extrakte geprüft werden müssen
- Risikofaktor Herkunft und Lieferkette
- Wie in der Praxis geprüft wird
- Die 6 Werte, die in einem CoA stehen sollten
- Vorsicht bei „Testsieger"-Siegeln
- Was du selbst tun kannst
- Häufige Fragen
- Fazit
Die fünf relevanten Schadstoffgruppen
Nahrungsergänzungsmittel bestehen häufig aus pflanzlichen oder mineralischen Ausgangsstoffen. Was in diesen Rohstoffen steckt, hängt davon ab, wo sie gewachsen oder abgebaut wurden und wie sie verarbeitet wurden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass insbesondere Produkte ausländischer Hersteller Risiken durch Pestizide, unzulässige Zutaten, natürliche Toxine oder Mikroben bergen können.
| Gruppe | Woher sie stammt |
|---|---|
|
Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen) |
Aus Boden, Wasser und Luft am Anbau- oder Abbauort; teils geogen bedingt, teils durch Industrie und Verkehr |
| Pestizidrückstände | Aus dem Anbau der pflanzlichen Ausgangsstoffe |
|
PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) |
Entstehen bei Verbrennungs- und Trocknungsprozessen, etwa bei offener Trocknung über Feuer |
| Mikrobiologische Belastung | Keime, Hefen und Schimmelpilze durch unsachgemäße Ernte, Trocknung oder Lagerung |
| Nicht deklarierte Zusätze | Bewusst zugesetzte, nicht angegebene Stoffe – laut Verbraucherzentrale ein bekanntes Problem bei Produkten aus dem Internet, besonders im Bereich Abnehmen und Potenz |
Die letzte Gruppe ist die einzige, die auf Vorsatz beruht. Die anderen vier sind Fragen von Rohstoffherkunft, Verarbeitung und Kontrolle – und damit durch Analytik beherrschbar.
Die geltenden EU-Höchstgehalte
Anders als bei den Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe, die bis heute fehlen, gibt es für Kontaminanten sehr wohl verbindliche EU-Grenzwerte.
Maßgeblich ist die Verordnung (EU) 2023/915, die seit dem 25. Mai 2023 gilt und die frühere Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 abgelöst hat. Für Nahrungsergänzungsmittel legt sie unter anderem fest:
| Stoff | Höchstgehalt in NEM | Anmerkung |
|---|---|---|
| Blei | 3,0 mg/kg | Bezogen auf das verzehrfertige Erzeugnis |
| Cadmium | 1,0 mg/kg | 3,0 mg/kg, wenn das Erzeugnis überwiegend aus getrockneten Meeresalgen besteht |
| Quecksilber | 0,1 mg/kg | Deutlich strengster der drei Werte |
| Arsen | Kein spezifischer Höchstgehalt für NEM | Es gilt das allgemeine Sicherheitsgebot des Lebensmittelrechts – das Produkt muss sicher sein |
Wichtig zum Verständnis: Dass für Arsen kein Zahlenwert existiert, bedeutet nicht, dass beliebige Mengen zulässig wären. Das allgemeine Lebensmittelrecht verlangt, dass ein Lebensmittel sicher ist – ein Produkt mit auffälligen Arsengehalten wäre nicht verkehrsfähig, auch ohne spezifischen Grenzwert. Seriöse Labore prüfen Arsen deshalb routinemäßig mit.
Was ein Grenzwert in mg/kg praktisch bedeutet
„3,0 mg/kg Blei" klingt zunächst nach viel oder nach wenig – je nachdem, wie man es liest. Die Angabe bezieht sich auf ein Kilogramm Produkt, nicht auf eine Tagesdosis. Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied deutlich:
| Schritt | Rechnung |
|---|---|
| Grenzwert | 3,0 mg pro kg = 3,0 µg pro Gramm Produkt |
| Angenommene Tagesdosis | 1 g pro Tag |
| Maximale Aufnahme bei voller Grenzwertausschöpfung | 3,0 µg pro Tag |
| Bei einem Messwert von 0,15 mg/kg | 0,15 µg pro Tag – also 5 % des zulässigen Maximums |
Diese Umrechnung ist der Grund, warum ein CoA-Wert ohne Bezug zur Tagesdosis wenig aussagt. Zwei Produkte mit identischem mg/kg-Wert, aber unterschiedlicher Verzehrempfehlung führen zu unterschiedlicher Aufnahme. Die Bewertung, welche Aufnahmemengen als unbedenklich gelten, obliegt den zuständigen Behörden und wissenschaftlichen Gremien – als Käufer kannst du aber sehen, wie weit ein Produkt vom zulässigen Maximum entfernt liegt.
Die praktische Faustregel: Interessant ist nicht nur, ob ein Wert eingehalten wird, sondern mit welchem Abstand. Ein Produkt bei 5 % des Grenzwerts ist etwas anderes als eines bei 95 % – beide sind formal zulässig.
Warum ausgerechnet Extrakte geprüft werden müssen
Dies ist der Punkt, der in den meisten Ratgebern fehlt – und er ist zentral.
Ein Extrakt entsteht, indem aus einer größeren Menge Ausgangsmaterial ein konzentriertes Endprodukt gewonnen wird. Das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV) von 10:1 bedeutet: aus 10 kg Rohstoff wird 1 kg Extrakt.
Der Extraktionsprozess konzentriert dabei nicht nur den gewünschten Bestandteil. Je nach Verfahren können auch andere Bestandteile des Ausgangsmaterials angereichert werden – potenziell auch Schwermetalle, die sich im Rohstoff befanden.
| Materialform | Prüfbedarf |
|---|---|
| Unverarbeitetes Pulver | Belastung entspricht weitgehend der des Rohstoffs |
| Extrakt | Werte des Rohstoffs sind nicht übertragbar – der Extrakt selbst muss analysiert werden |
| Gereinigter Extrakt | Reinigungsschritte können Belastungen gezielt reduzieren – nachweisbar nur über Analytik des Endprodukts |
Daraus folgt eine konkrete Prüfregel: Ein Analysezertifikat, das sich auf den Rohstoff bezieht, ersetzt kein Zertifikat für das Endprodukt. Wenn ein Hersteller ein CoA vorlegt, lohnt der Blick, worauf es sich bezieht – Rohware oder fertige Charge.
Wie ein Reinigungsprozess in der Praxis abläuft, beschreibt der Artikel Shilajit: Gewinnung und Reinigung. Für fermentativ hergestellte Produkte gilt eine andere Prozesslogik – siehe Nattokinase Herstellung.
Risikofaktor Herkunft und Lieferkette
Die Verbraucherzentrale nennt Produkte ausländischer Hersteller und Bestellungen über das Internet als besondere Risikobereiche. Auch Produkte für Sportler gelten als kritisch, weil Verunreinigungen mit Dopingsubstanzen vorkommen können.
Was den Unterschied macht, ist weniger das Herkunftsland an sich als die Nachvollziehbarkeit:
| Günstige Konstellation | Ungünstige Konstellation |
|---|---|
| Verantwortlicher Lebensmittelunternehmer in der EU benannt | Nur ein Markenname ohne Anschrift |
| Chargennummer auf der Packung, CoA auf Anfrage | Keine Chargennummer oder kein Zertifikat verfügbar |
| Abfüllung in der EU, HACCP-pflichtiger Betrieb | Direktimport aus einem Drittland ohne EU-Kontrolle |
| Analytik durch ein unabhängiges Labor | Nur Eigenangaben des Herstellers |
Wer direkt in einem Drittland bestellt, umgeht die EU-Kontrollkette vollständig. Was das sonst noch bedeutet, steht im Artikel NEM online kaufen.
Wie in der Praxis geprüft wird
Für Schwermetalle ist die gängige Labormethode die ICP-MS (induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie). Sie erfasst mehrere Elemente gleichzeitig und arbeitet bis in sehr niedrige Konzentrationsbereiche.
Ein vollständiges Prüfprofil umfasst in der Regel:
- Schwermetalle: mindestens Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen. Manche Labore prüfen zusätzlich weitere Elemente
- Mikrobiologie: Gesamtkeimzahl, Hefen und Schimmelpilze, sowie spezifische Keime
- Pestizide: Multimethoden-Screening bei pflanzlichen Ausgangsstoffen
- Gehalt: Bestätigung der deklarierten Menge des Hauptbestandteils
- Identität: Nachweis, dass es sich tatsächlich um den angegebenen Rohstoff handelt
Die Prüfpflicht ergibt sich für Lebensmittelunternehmen aus dem HACCP-Konzept: Wer einen Rohstoff mit bekanntem Kontaminationsrisiko verarbeitet, muss diesen Punkt als kritischen Kontrollpunkt behandeln.
Die 6 Werte, die in einem CoA stehen sollten
Ein Certificate of Analysis ist nur so viel wert wie seine Angaben. Diese sechs Punkte machen den Unterschied zwischen einem belastbaren Dokument und einem Papier mit Briefkopf:
| # | Angabe | Warum sie zählt |
|---|---|---|
| 1 | Chargennummer | Ohne Chargenbezug lässt sich das Zertifikat keiner konkreten Dose zuordnen |
| 2 | Prüfdatum | Ein mehrere Jahre altes Zertifikat sagt nichts über die aktuelle Produktion |
| 3 | Name des Labors | Unabhängiges, idealerweise akkreditiertes Labor statt interner Messung |
| 4 | Prüfgegenstand | Endprodukt oder Rohstoff? Nur Ersteres ist für dich aussagekräftig |
| 5 | Messwerte mit Einheit | Konkrete Zahlen statt „entspricht den Vorgaben". Auch Bestimmungsgrenzen sollten angegeben sein |
| 6 | Referenzwert daneben | Erst der Vergleich Messwert zu Grenzwert macht das Ergebnis einordenbar |
Formulierungen, die aufhorchen lassen sollten: „entspricht den gesetzlichen Anforderungen" ohne Zahlen, „n. n." ohne Angabe der Bestimmungsgrenze, oder ein Zertifikat ganz ohne Chargenbezug.
Vorsicht bei „Testsieger"-Siegeln
Im Bereich Nahrungsergänzungsmittel kursieren zahlreiche Auszeichnungen, die auf den ersten Blick nach unabhängiger Prüfung aussehen. Die entscheidende Frage lautet immer: Wer hat getestet, und wonach?
- Etablierte Verbrauchermagazine veröffentlichen ihre Tests transparent samt Prüfkriterien und Methodik. Wenn ein Siegel auf einen solchen Test verweist, lässt sich das nachschlagen.
- Vergleichsportale und Affiliate-Seiten vergeben ebenfalls „Testsieger"-Titel – teils ohne eigene Laboranalyse, teils mit Provisionsinteresse an den bewerteten Produkten.
- Selbst beauftragte Prüfungen sind nicht per se schlecht, aber sie sind keine unabhängige Auszeichnung, sondern eine Dienstleistung, die der Hersteller bezahlt hat.
Ein „Testsieger"-Badge ersetzt also kein Analysezertifikat. Umgekehrt gilt: Ein Hersteller, der auf Nachfrage ein chargenbezogenes CoA liefert, hat mehr belegt als jedes Siegel.
Was du selbst tun kannst
| Schritt | Konkret |
|---|---|
| 1. CoA anfragen | Mit der Chargennummer deiner Dose. Die Reaktion des Anbieters ist bereits eine Information |
| 2. Herkunft klären | Wer ist verantwortlicher Lebensmittelunternehmer, wo wird abgefüllt? |
| 3. Abstand zum Grenzwert prüfen | Messwert und zulässiger Höchstgehalt nebeneinander lesen |
| 4. Rückrufe im Blick behalten | Öffentliche Warnmeldungen werden über die amtlichen Portale der Lebensmittelüberwachung veröffentlicht |
| 5. Direktimporte meiden | Bestellungen aus Drittländern umgehen die EU-Kontrollkette |
| 6. Sachgerecht lagern | Feuchtigkeit begünstigt mikrobiologische Probleme (Lagerung) |
Häufige Fragen
Welche Grenzwerte für Schwermetalle gelten in Nahrungsergänzungsmitteln?
Nach der EU-Kontaminantenverordnung (EU) 2023/915 gelten für Nahrungsergänzungsmittel unter anderem 3,0 mg/kg für Blei, 1,0 mg/kg für Cadmium (3,0 mg/kg bei Erzeugnissen überwiegend aus getrockneten Meeresalgen) und 0,1 mg/kg für Quecksilber. Für Arsen existiert kein spezifischer Höchstgehalt, es gilt das allgemeine Sicherheitsgebot.
Warum müssen Extrakte separat geprüft werden?
Weil die Extraktion nicht nur den gewünschten Bestandteil konzentriert, sondern potenziell auch andere Bestandteile des Ausgangsmaterials. Analysewerte des Rohstoffs sind deshalb nicht auf den Extrakt übertragbar – das Endprodukt muss selbst analysiert werden.
Was macht ein gutes Analysezertifikat aus?
Chargenbezug, Prüfdatum, Name eines unabhängigen Labors, klare Angabe des Prüfgegenstands (Endprodukt statt Rohstoff), konkrete Messwerte mit Einheiten und der jeweilige Referenzwert daneben.
Sind Produkte aus dem Ausland grundsätzlich belastet?
Nein. Entscheidend ist nicht das Herkunftsland an sich, sondern die Nachvollziehbarkeit: ein in der EU benannter verantwortlicher Lebensmittelunternehmer, eine Chargennummer, ein verfügbares Analysezertifikat und eine Abfüllung in einem HACCP-pflichtigen Betrieb.
Was bedeutet ein Wert von 0,15 mg/kg Blei praktisch?
Er entspricht 5 % des für Nahrungsergänzungsmittel zulässigen Höchstgehalts von 3,0 mg/kg. Bei einer Tagesdosis von 1 g würden daraus rechnerisch 0,15 µg pro Tag. Die Bewertung von Aufnahmemengen obliegt den zuständigen Behörden und wissenschaftlichen Gremien.
Sind „Testsieger"-Auszeichnungen aussagekräftig?
Nur, wenn nachvollziehbar ist, wer nach welchen Kriterien getestet hat. Vergleichsportale vergeben solche Titel teils ohne eigene Laboranalyse und mit Provisionsinteresse. Ein chargenbezogenes Analysezertifikat ist belastbarer als jedes Siegel.
Wie erfahre ich von Rückrufen?
Öffentliche Warnungen und Rückrufe werden über die amtlichen Portale der Lebensmittelüberwachung bekanntgegeben. Die Chargennummer auf deiner Packung ist dabei die entscheidende Angabe, um festzustellen, ob dein Produkt betroffen ist.
Welche Laborverfahren werden für Schwermetalle eingesetzt?
Üblich ist die ICP-MS (induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie). Sie erfasst mehrere Elemente gleichzeitig und arbeitet bis in sehr niedrige Konzentrationsbereiche.
Fazit: Nachweise schlagen Versprechen
Schadstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sind kein Randthema – bei behördlichen Kontrollen fällt regelmäßig ein erheblicher Anteil der geprüften Produkte auf, wobei Kennzeichnungsfehler und unzulässige gesundheitsbezogene Aussagen die häufigsten Beanstandungsgründe sind.
Die gute Nachricht: Anders als bei vielen anderen Fragen rund um Nahrungsergänzungsmittel gibt es hier klare, verbindliche Zahlen. Blei, Cadmium und Quecksilber sind EU-weit geregelt, die Messverfahren sind etabliert, und ein chargenbezogenes Analysezertifikat ist ein überprüfbarer Nachweis.
Die einzige Frage, die du stellen musst, lautet deshalb: Gibt es ein aktuelles CoA zu meiner Chargennummer, erstellt von einem unabhängigen Labor, bezogen auf das Endprodukt? Wer diese Frage beantworten kann, hat mehr gesagt als jede Werbeaussage.
Weiterlesen: Qualitätssiegel GMP, ISO & HACCP, Shilajit Qualität erkennen und NEM-Glossar.
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Rechtlicher Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Die Angaben zu Grenzwerten geben den Stand August 2026 wieder, dienen der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Bei gesundheitlichen Fragen konsultiere bitte einen Arzt.



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