NEM-Etikett richtig lesen – Zutatenliste & Deklaration 2026

NEM-Etikett richtig lesen – Zutatenliste & Deklaration 2026

Hinweis: Dieser Artikel erklärt, wie Etiketten von Nahrungsergänzungsmitteln zu lesen sind. Die Inhalte stellen keine Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an medizinisches Fachpersonal.

Das Wichtigste in Kürze

Thema Zusammenfassung
Pflichtangaben NEM-Etiketten müssen bestimmte Angaben tragen – gesetzlich vorgeschrieben durch die NemV und LMIV
Zutatenliste Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil – die erste Zutat macht den größten Anteil aus
Zusatzstoffe Füllstoffe, Trennmittel und Farbstoffe sind legal, aber nicht immer nötig. Weniger ist oft mehr
Nährwerttabelle Zeigt die Menge der enthaltenen Inhaltsstoffe pro Tagesdosis und den Prozentanteil am Referenzwert (NRV)
Red Flags Fehlende Mengenangaben, unvollständige Deklaration oder übertriebene Versprechen auf dem Etikett sind Warnsignale

Inhaltsverzeichnis

Warum das Etikett mehr sagt als die Vorderseite

Die Vorderseite einer NEM-Verpackung ist Marketing. Dort stehen Produktname, Marke und – oft genug – Begriffe, die Aufmerksamkeit erzeugen sollen. Die tatsächlich relevanten Informationen stehen auf der Rückseite: Zutatenliste, Nährwerttabelle, Verzehrempfehlung und Pflichthinweise.

Wer diese Angaben lesen und einordnen kann, erkennt innerhalb weniger Sekunden, ob ein Produkt hält, was die Vorderseite verspricht. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, worauf es ankommt.

Was auf jedem NEM-Etikett stehen muss

Nahrungsergänzungsmittel unterliegen in der EU dem Lebensmittelrecht. Die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) und die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schreiben vor, welche Angaben auf dem Etikett stehen müssen.

Pflichtangabe Was dort stehen muss Gesetzliche Grundlage
Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel" – genau dieser Begriff § 4 Abs. 1 NemV
Zutatenliste Alle Zutaten in absteigender Reihenfolge nach Gewicht Art. 18 LMIV
Mengenangabe Menge der Inhaltsstoffe pro empfohlener Tagesdosis § 4 Abs. 2 NemV
Verzehrempfehlung Empfohlene tägliche Verzehrmenge § 4 Abs. 3 NemV
Warnhinweis Überdosierung „Die empfohlene Verzehrmenge darf nicht überschritten werden" § 4 Abs. 3 NemV
Hinweis Ernährung „Kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung" § 4 Abs. 3 NemV
Aufbewahrungshinweis „Außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufbewahren" § 4 Abs. 3 NemV
Nettofüllmenge Anzahl Kapseln, Tabletten oder Gramm Art. 23 LMIV
Verantwortlicher Name und Anschrift des Herstellers oder Vertreibers Art. 8 LMIV
MHD Mindesthaltbarkeitsdatum Art. 24 LMIV

Fehlt eine dieser Angaben, ist das Etikett unvollständig – und das Produkt entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen.

Zutatenliste lesen und verstehen

Die Zutatenliste ist das Herzstück des Etiketts. Sie zeigt, was tatsächlich im Produkt steckt – und in welchem Verhältnis.

Grundregel: Die Zutaten sind in absteigender Reihenfolge nach ihrem Gewichtsanteil aufgelistet. Die erste Zutat macht den größten Anteil aus, die letzte den kleinsten. Bei einem Nattokinase-Produkt sollte also Nattokinase an erster Stelle stehen – nicht ein Füllstoff.

Position in der Liste Bedeutung
Platz 1–2 Hauptbestandteile – sollten die namensgebenden Inhaltsstoffe sein
Mittlere Positionen Kapselhülle (z. B. HPMC, Gelatine) und ggf. kleinere Inhaltsstoffe
Letzte Positionen Hilfsstoffe in geringen Mengen – hier tauchen Füllstoffe und Trennmittel auf

Praxistipp: Wenn der erste Eintrag in der Zutatenliste ein Füllstoff wie Maltodextrin oder mikrokristalline Cellulose ist, dann enthält das Produkt mehr Füllstoff als den eigentlichen Inhaltsstoff.

Zusatzstoffe: Was dahintersteckt

Nicht jeder Zusatzstoff ist automatisch problematisch – aber nicht jeder ist nötig. Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Zusatzstoffe in NEM und ihre Funktion.

Zusatzstoff Funktion Nötig?
Magnesiumstearat Trennmittel – verhindert, dass Pulver an Maschinen klebt Technisch praktisch, aber nicht zwingend
Maltodextrin Füllstoff – streckt das Produkt auf das gewünschte Kapselvolumen Nein – deutet auf zu wenig Hauptinhaltsstoff hin
Siliziumdioxid Rieselhilfe – verbessert die Fließeigenschaften des Pulvers Technisch praktisch, aber verzichtbar
Mikrokristalline Cellulose Füllstoff und Bindemittel Nein – reiner Füllstoff
Titandioxid (E171) Farbstoff – macht Kapselhüllen weiß Nein – in der EU als Lebensmittelzusatz seit 2022 verboten
HPMC (Hydroxypropylmethylcellulose) Pflanzliche Kapselhülle Ja – für die Kapsel selbst notwendig

Faustregel: Je kürzer die Zutatenliste, desto weniger wurde mit Hilfsstoffen gearbeitet. Ein Nattokinase-Produkt braucht im Kern zwei Einträge: Nattokinase und die Kapselhülle. Alles darüber hinaus ist optional.

Die Nährwerttabelle bei NEM

Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die Nährwerttabelle anders aufgebaut als bei normalen Lebensmitteln. Statt Brennwert und Makronährstoffen findest du hier die Menge der enthaltenen Inhaltsstoffe pro Tagesdosis.

Spalte Was sie bedeutet
Inhaltsstoff Name des Inhaltsstoffs (z. B. Nattokinase, Vitamin K2, Shilajit-Extrakt)
Pro Tagesdosis Menge in mg, µg oder spezifischen Einheiten (z. B. FU bei Nattokinase)
% NRV Prozent des Nährstoffreferenzwerts – nur bei Vitaminen und Mineralstoffen mit festgelegtem NRV

Wichtig: Nicht alle Inhaltsstoffe haben einen NRV. Für Enzyme wie Nattokinase oder Pflanzenextrakte wie Shilajit gibt es keinen offiziellen Referenzwert. Die Spalte „% NRV" bleibt dann leer oder enthält einen Strich. Das ist kein Qualitätsmangel, sondern regulatorisch korrekt.

Was du prüfen solltest: Steht eine konkrete Mengenangabe pro Tagesdosis? Bei Nattokinase sollte die Angabe in FU (Aktivitätseinheiten) erfolgen – zum Beispiel 2.000 FU. Bei Shilajit sollte mindestens der Extrakt-Menge und idealerweise der Fulvinsäure-Gehalt angegeben sein.

Verzehrempfehlung und Warnhinweise

Die Verzehrempfehlung gibt an, wie viel pro Tag eingenommen werden soll – zum Beispiel „1 Kapsel täglich mit ausreichend Flüssigkeit". Diese Angabe ist nicht optional: Der Hersteller ist gesetzlich verpflichtet, sie anzugeben.

Ebenso verpflichtend sind die Warnhinweise. Auf jedem NEM-Etikett müssen mindestens stehen:

Pflichthinweis Wortlaut (sinngemäß)
Überdosierungswarnung „Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden"
Ernährungshinweis „Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise"
Kinderhinweis „Außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufbewahren"

Fehlt einer dieser Hinweise, ist das Etikett nicht konform. Mehr zur richtigen Einnahme in unseren Artikeln Nattokinase Dosierung und Shilajit Dosierung.

Red Flags auf dem Etikett

Manche Etiketten verraten auf den zweiten Blick, dass ein Produkt nicht das ist, was es scheint. Die folgenden Warnsignale solltest du kennen:

Red Flag Was es bedeutet
Füllstoff an Position 1 Das Produkt enthält mehr Füllstoff als den eigentlichen Inhaltsstoff
Keine Mengenangabe pro Tagesdosis Du weißt nicht, wie viel du tatsächlich einnimmst – gesetzlich vorgeschrieben, also klarer Mangel
Fehlende Herstellerangabe Kein verantwortlicher Lebensmittelunternehmer angegeben – Pflichtverstoß
Gesundheitsversprechen auf dem Etikett Begriffe wie „heilt", „bekämpft" oder „schützt vor" – nicht HCVO-konform und damit illegal
Unrealistisch lange Zutatenliste 10+ Zusatzstoffe bei einem Einzel-Inhaltsstoff-Produkt – unnötig viele Hilfsstoffe
Bezeichnung fehlt „Nahrungsergänzungsmittel" steht nirgendwo – das Produkt könnte nicht als NEM angemeldet sein
Nur englische Beschriftung In Deutschland muss die Kennzeichnung in deutscher Sprache erfolgen (LMIV)

Praxisbeispiel: Nattokinase & Shilajit

Was bedeuten diese Regeln konkret? Zwei Beispiele aus den Produktkategorien, die wir bei Blattwerk360 anbieten:

Nattokinase – worauf achten?

Etikett-Angabe Was du sehen solltest
Zutat Nr. 1 Nattokinase (nicht Maltodextrin oder ein Füllstoff)
FU-Angabe Konkrete Angabe in FU (Aktivitätseinheiten) pro Kapsel, z. B. 2.000 FU
Vitamin K2 Angabe ob mit oder ohne – und falls enthalten, Menge in µg + % NRV
Kapselhülle HPMC (pflanzlich) oder Gelatine (tierisch) – je nach Präferenz

Ausführlicher in unserem Nattokinase Kaufratgeber und im Artikel Nattokinase ohne Vitamin K2.

Shilajit – worauf achten?

Etikett-Angabe Was du sehen solltest
Zutat Nr. 1 Shilajit-Extrakt (nicht „Shilajit-Pulver" ohne weitere Angabe)
Fulvinsäure-Gehalt Prozentangabe, idealerweise 40–60 % (z. B. „davon Fulvinsäure: 50 %")
Extraktmenge Konkrete mg-Angabe pro Kapsel
Zusatzstoffe Idealerweise keine – nur Kapselhülle

Ausführlicher in unserem Shilajit Kaufratgeber und im Artikel Shilajit Gewinnung & Reinigung.

Häufige Fragen

Was muss auf einem NEM-Etikett stehen?

Mindestens: die Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel", Zutatenliste, Menge der Inhaltsstoffe pro Tagesdosis, Verzehrempfehlung, Warnhinweise (Überdosierung, Ernährung, Kinder), Nettofüllmenge, MHD und Herstellerangabe. Gesetzliche Grundlage: NemV und LMIV.

Was bedeutet die Reihenfolge in der Zutatenliste?

Die Zutaten sind in absteigender Reihenfolge nach ihrem Gewichtsanteil aufgelistet. Die erste Zutat macht den größten Anteil am Produkt aus. Wenn ein Füllstoff an erster Stelle steht, enthält das Produkt mehr Füllstoff als den namensgebenden Inhaltsstoff.

Was bedeutet NRV auf dem Etikett?

NRV steht für Nutrient Reference Value (Nährstoffreferenzwert). Die Angabe zeigt, wie viel Prozent des täglichen Referenzwerts für Vitamine und Mineralstoffe eine Tagesdosis des Produkts liefert. Für Pflanzenextrakte und Enzyme gibt es keinen NRV.

Sind Zusatzstoffe in NEM schädlich?

Die zugelassenen Zusatzstoffe sind lebensmittelrechtlich geprüft. Die Frage ist eher, ob sie nötig sind. Füllstoffe wie Maltodextrin strecken das Produkt, ohne einen Mehrwert zu bieten. Produkte ohne unnötige Zusatzstoffe sind in der Regel vorzuziehen.

Was sind FU bei Nattokinase?

FU steht für Aktivitätseinheiten (die Einheit, in der die enzymatische Aktivität von Nattokinase gemessen wird). Ein gängiger Standard sind 2.000 FU pro Kapsel. Ohne FU-Angabe auf dem Etikett kannst du die Dosierung nicht einschätzen. Mehr dazu: Nattokinase kaufen.

Muss das Etikett auf Deutsch sein?

Ja. In Deutschland ist die Kennzeichnung von Lebensmitteln – und damit auch von Nahrungsergänzungsmitteln – in deutscher Sprache Pflicht (LMIV, Art. 15). Produkte mit ausschließlich englischer Beschriftung erfüllen diese Anforderung nicht.

Fazit: Etikett lesen lohnt sich

Das Etikett ist der ehrlichste Teil der Verpackung. Während die Vorderseite mit Begriffen und Bildern arbeitet, stehen auf der Rückseite die Fakten – gesetzlich vorgeschrieben und überprüfbar.

Wer die Zutatenliste, Nährwerttabelle und Pflichthinweise lesen kann, trifft fundiertere Kaufentscheidungen. Die wichtigsten Prüfpunkte: Hauptinhaltsstoff an erster Stelle, konkrete Mengenangaben pro Tagesdosis, möglichst wenige Zusatzstoffe und alle Pflichtangaben vollständig vorhanden.

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Rechtlicher Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei gesundheitlichen Fragen konsultiere bitte einen Arzt.

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